PISA for Schools
Mit dem Projekt "PISA for Schools" unterstützt das OECD Schulen dabei, das Lernen und Wohlbefinden ihrer Schüler:innen zu verbessern und damit auch bei den internationalen Schulleistungsüberprüfungen (PISA) bessere Ergebnisse zu erzielen. Grundlage für das Programm bildet die Generierung und Verwertung von Daten.

Seit dem Jahr 2000 untersucht und vergleicht das OECD im Rahmen des "International Students Assessment" (kurz: PISA) die Leistungen von Schulen und Bildungssystemen weltweit. Schüler:innen im Alter von 15 Jahren nehmen dafür an einer Studie teil, in der die Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften analysiert werden. Die PISA Studie wird alle drei Jahre durchgeführt, wobei jeder Durchgang einen anderen Schwerpunkt setzt.
In dem folgenden Interview stellen Joanne Caddy, Chi Sum (Mic) Tse und Nate Reinertsen vom OECD das Programm "PISA for Schools" vor und erklären, wie die Datenerhebung und -nutzung im Rahmen des Programms Schulen dabei unterstützen kann, das Lernen und Wohlbefinden der Schüler:innen zu verbessern und bei der internationeln Schulleistungsbewertung (PISA) bessere Ergebnisse zu erzielen.
Was ist das "PISA for Schools"-Programm?
Das Programm "PISA for Schools" unterstützt Schulen bei der Messung, Auswertung und Nutzung von Daten, die im Rahmen der PISA-Tests für Schulen (PBTS) erhoben wurden. Mit dem Projekt verfolgt die OECD das Ziel, Schulen die PISA-Tests zugänglich zu machen und dadurch Möglichkeiten des globalen Peer-Learnings zu ermöglichen, um damit die Lernergebnisse der Schüler:innen zu verbessern. Das PBTS ist eine freiwillige Bewertung. Es soll zur Verbesserung des Lernens und des Wohlbefindens der Schüler:innen beitragen, indem es Lehrkräfte und Schulleitungen durch globale Verbindungen und internationales Benchmarking auf der Grundlage einer gemeinsamen PISA-Skala stärkt.
„PISA for Schools“ erstellt Berichte auf Schulebene über die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in drei kognitiven Bereichen – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Teil der Berichte ist auch die Wahrnehmung des Lernens durch die Schüler:innen, die sozio-emotionalen Fähigkeiten und deren Wohlbefinden. Die teilnehmenden Schulen sind eingeladen, der internationalen PISA-for-Schools-Online-Community beizutreten, um sich über ihre Praktiken auszutauschen und sich gegenseitig Fragen zu stellen.
Welche Schulen können an dem Programm teilnehmen?
Die OECD arbeitet mit nationalen Dienstleistungsanbietern (NSP) zusammen, um den Schulen das PBTS in der lokalen Unterrichtssprache zur Verfügung zu stellen. In den letzten zehn Jahren wurde "PISA for Schools" über 9.000 Mal in mehr als 15 Ländern durchgeführt. Derzeit gibt es akkreditierte NSPs in 10 Ländern: Andorra, Australien, Brasilien, die Volksrepublik China, Japan, Kasachstan, Portugal, Spanien, das Vereinigte Königreich und die USA. Ein internationales Schulnetzwerk mit Schulen in vielen europäischen Ländern hat die Prüfung in Englisch, Französisch und Deutsch durchgeführt.
Welche Daten erheben Sie von den Schulen und zu welchem Zweck?
Die OECD erhebt die Daten im Rahmen des PBTS in erster Linie, um Berichte auf Schulebene zu erstellen. Die Berichte sollen den Schulleitungen Informationen an die Hand geben, die sie für ihre Pläne zur Überwachung und Verbesserung der Schule nutzen können. Darüber hinaus werden je nach den Forschungsinteressen unserer nationalen Partner:innen auch Berichte für Regionen und Schüler:innengruppen erstellt. Unser NSP in Thailand ist zum Beispiel eine Regierungsbehörde, die benachteiligte Schüler:innen unterstützt. Im Jahr 2021 nutzte die OECD ihre PBTS-Daten, um einen thematischen Bericht über die Merkmale der von der Behörde unterstützten Schüler:innengruppe zu erstellen.
Wie verwenden Sie die Daten?
Die Datenverarbeitung ist auf die technischen Standards von PISA abgestimmt. Das Instrument wurde mit den PISA-Skalen verknüpft. Dies ermöglicht es den Schulen, ihre Ergebnisse mit ihren nationalen PISA-Ergebnissen und den OECD-Durchschnittswerten zu vergleichen. Wir ermutigen die Schulen, über ihre relativen Stärken und Schwächen im Vergleich zu diesen internationalen Benchmarks nachzudenken und ihre Überlegungen als Grundlage für Gespräche darüber zu nutzen, was sie verbessern wollen und wie.
Wie arbeiten Sie mit den Schulen zusammen?
Die nationalen Dienstleistungsanbieter in jedem Land arbeiten direkt mit den Schulen zusammen. Der Grund dafür ist, dass die Partner:innen den Kontext verstehen, in dem sich Schulen auf lokaler und nationaler Ebene befinden. Darüber hinaus sind sie in der Lage, mit den Schulen in der bzw. den Landessprache(n) zu arbeiten. Das OECD-Team bietet den teilnehmenden Schulen ein Webinar zum Verständnis ihrer Schulberichte an, was eine wertvolle Gelegenheit zur direkten Interaktion darstellt und uns die Möglichkeit gibt, aus den Erfahrungen der Schulen mit der Bewertung zu lernen.
Wie arbeiten die Schulen mit den Ergebnissen? Wie erfolgt das Monitorin der Schulen?
Einige der teilnehmenden Schulen sind mit der Datenverwendung für ihre Planung und Entscheidungsfindung sehr vertraut. Diese Schulen können ihre Schulberichte nehmen und die Daten in ihre bestehenden Konzepte einbeziehen.
An anderen Orten nutzen auch die regionalen Schulverwaltungsbehörden die aggregierten Daten der Schulen in ihren Bezirken. Darauf basierend organisieren sie beispielsweise Weiterbildungsaktivitäten für Lehrkräfte und Schulleitungen aus verschiedenen Schulen, um sich dabei zu den Erkenntnissen und Praktiken auszutauschen.
Im Rahmen des Programms "PISA for Schools" werden die teilnehmenden Schulen nicht direkt überwacht, aber wir arbeiten daran, Fallstudien und andere Informationen darüber zu sammeln, wie die Schulen ihre PBTS-Ergebnisse in ihren Planungsprozessen genutzt haben. Wir stellen den teilnehmenden Schulen über unsere Online-Lerngemeinschaft Fallstudien zur Verfügung.
Auf welche Vorbehalte oder Bedenken stoßen Sie bei den Schulen? Wie gehen Sie damit um?
Schulen äußern manchmal Bedenken, dass Daten über die Leistung und das Wohlergehen von Schüler:innen – die im Rahmen einer externen Bewertung wie dem PBTS erhoben werden – für ein Ranking verwendet werden, statt als Instrument zur Information und Stärkung ihrer eigenen Bemühungen, die der Verbesserung der Schüler:innenergebnisse dienen. Die Tatsache, dass die OECD keinen der Schulberichte veröffentlicht, reicht normalerweise aus, um diese berechtigten Bedenken zu zerstreuen. Die OECD ermutigt die teilnehmenden Schulen aktiv dazu, ihre Ergebnisse mit Lehrer:innen, Schüler:innen und Eltern zu teilen, um eine offene und evidenzbasierte Diskussion über ihre Stärken und verbesserungswürdigen Bereiche zu fördern.
Einige Lehrer:innen haben auch Bedenken geäußert, dass kompetenzbasierte Tests gefördert würden, die die ohnehin begrenzte Unterrichtszeit für die Vorbereitung der Schüler:innen auf nationale standardisierte Prüfungen einschränken würden. Andererseits erkannten die Schulleitungen die Bedeutung des kompetenzbasierten Lernens und den Nutzen, den es für die Verbesserung der Lernprozesse aller Schüler:innen hat – und der sich schließlich in den nationalen Prüfungen widerspiegeln wird. Die Schulleitungen organisierten Workshops zur beruflichen Weiterbildung, um den PISA-Rahmen und die von PISA freigegebenen Aufgaben zu untersuchen sowie um die Verbindung zwischen den von PBTS bewerteten Kompetenzen und den Lehrplänen der Schulen aufzuzeigen. Auf diese Weise konnten die Lehrkräfte den Wert des Unterrichts in den vom PBTS bewerteten Kompetenzen erkennen und zur Einsicht gelangen, dass eben jene Tests mit nationalen standardisierten Prüfungen Hand in Hand gehen können, wenn sie strategisch eingesetzt werden.
Haben Sie Erfahrungen damit gemacht, wie die Schulverwaltung in das Programm miteinbezogen werden kann?
Peer-Learning ist ein zentrales Ziel des Programms. Daher sind wir der Ansicht, dass Schulnetzwerke oder regionale/staatliche Bildungsbehörden eine wertvolle Rolle bei der Förderung der systemischen Schulverbesserung spielen können, indem sie den Austausch bewährter Verfahren zwischen ihren Schulen sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene über die Online-Community "PISA for Schools" erleichtern.